Alpha Two

Alpha Two – Band 2 der Alpha-Reihe kann seit dem 20.06.2017 überall erworben werden. Das E-Book gibt es exklusiv nur auf Amazon. Hier der Link, wo ihr beide Ausgaben findet: KLICK!

Inhalt:

Beth könnte es eigentlich nicht besser gehen! Sie ist die Alpha One und UCoPs neuer gefeierter Superstar, die ihren Traum lebt. Doch Henry, ihr Performpartner, beginnt immer mehr Probleme zu machen. Übel gelaunt und unkonzentriert macht er es ihr und allen anderen schwer, sich auf die nächste Show vorzubereiten.
Doch als es gerade scheint besser zu werden, passiert ein Zwischenfall, der Beths ganze Welt zerstören kann. Hat sie die Kraft sich auch weiterhin zu behaupten und mit Henry zu performen? Oder droht ihr das vorzeitige Ende ihrer Karriere?

Das Cover von Alpha Two; Bildmaterialien © Copyright by 2017 © hubis3d / Fotolia.

 

Leseprobe:  1. Kapitel

„Jaaaaaaaaa, AAAAAAAAAAA, aaaaaaaaaa!“ Beths Stimme verstummte, der extrem hohe Ton schallte ein paar Millisekunden nach und gottseidank hörte er sich in ihren Ohren richtig an.

„Sehr gut, Beth.“ Olav neben ihr nickte zufrieden.

Beth deutete einen Knicks an. Sie mochte die seltenen Einzelgesangstunden mit Olav, ihrem Vocalcoach, er war immer so begeistert von ihrer Stimme. Das wiederum machte ihr gute Laune.

„Okay, ich glaube, wir belassen es heute dabei. Die neuen Songs klappen hervorragend, die Alten sowieso. Du bist meine absolute Musterschülerin!“ Er strahlte.

Eine leichte Röte trat in ihr Gesicht. „Du machst mich ganz verlegen.“

„Aber das ist eine Tatsache! Ich wünschte mir manchmal, dass alle so ernsthaft wären wie du. Du bist absolut verdient die Teamleaderin.“

Das war sie! Beth Falkenstein, Alpha One! Neuer gefeierter Superstar! Beherrscherin aller Medien! Zumindest solange bis Henry das Zepter zurückeroberte. Ihr kam es wie eine Ewigkeit her vor, dass sie ihr erstes Konzert erfolgreich absolviert hatte, dabei war seitdem erst ein halbes Jahr vergangen. Doch sie fühlte sich mittlerweile absolut zu UCoP, der United Confederation of Performance, zugehörig. Wenn man bedachte, dass sie vor ihrer Entdeckung vor knapp zwei Jahren noch nie performt hatte, schien es wie ein Märchen zu sein, wenn da nicht noch die viele Arbeit gewesen wäre. Singen und Tanzen, den ganzen Tag lang, unzählige Proben und dann noch der niemals enden wollende Kram darum herum. Nein, langweilig wurde ihr nie. Und dann war sie ja auch noch eine Alpha, sogar die Alpha One, was sie zum Mittelpunkt des ganzen Zirkus machte. Aber sie fühlte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen sehr wohl in ihrer Rolle, besonders mit den anderen elf Alphas. Zusammen waren sie die Lieblinge der Massen und die strahlende Schwertspitze über den beiden übrigen Teams Beta und Gamma, die ehrlicherweise mehr oder minder nur Alphas Unterstreichung dienten. Doch trotzdem wurden sie gebraucht, denn nur mit allen drei Teams bekamen die Shows den gewünschten Glanz und ihre übermächtige Größe.

Mittlerweile hatte Beth neben ihrem ersten Konzert im eigenen Stadion noch eines in New York, eines in Rio und eines in Singapur gegeben. Fast eine ganze Season war vergangen, auch wenn diese weniger Konzerte als üblich beinhaltete. Denn nun stand das Jubiläum vor der Tür – Season 100! Doch davor gab es noch ein Konzert der 99. Season, völlig untypisch im Sommer. Wo fand es statt? In Berlin! Ihr Heimkonzert oder ihr „Heimspiel“, wie sie es liebevoll nannte. Bis dahin war es noch eine Weile, sie hatten Anfang März. Seit drei Wochen fand wieder offiziell Training statt, auch wenn es für Beth eigentlich gar keine Pause gegeben hatte. Dafür war noch zu viel zu tun und immer noch zu viel zu lernen gewesen. Über Weihnachten fuhr sie deswegen nicht mal zu ihren Eltern. Sie hatte auch keine Lust gehabt diese zu treffen, auch wenn das letzte Mal schon zwei Jahre zurücklag. Denn leider war das Verhältnis zu ihren Eltern immer noch nicht besonders. Die Ursache dazu befand sich schon in Beths Kindheit, weshalb so viel Distanz zwischen ihr und ihnen, wie sie nun durch ihren Job in London herrschte, nie ein Problem gewesen war. Und als sie dann noch so schlecht auf Beths neuen Job reagiert hatten – wobei Beth sagen musste, dass sie auch völlig davon überrascht wurden, weil sie vorher nichts hatte erzählen dürfen –, gab es einen endgültigen Knick. Inzwischen redeten sie aber wieder miteinander und es lief sogar recht gut. Trotzdem gab es immer noch unausgesprochene Dinge, die zwischen ihnen standen. Doch Beth dachte nicht gern darüber nach und tat es somit auch nicht. Ihre Eltern würde sie in Berlin wiedersehen, denn sie wollten zum Konzert kommen, wie auch ein weiterer Teil ihrer Familie, mit denen das Verhältnis wegen der Entfernung auch nicht zum Besten stand. Beth war einfach kein Familienmensch, ihr reichten die Personen und Freunde in ihrer Umgebung völlig.

Ansonsten würde das kommende Jahr aufregend werden. Wie gesagt, die Jubiläumsseason stand an! Dafür war enorm viel geplant und Beth war mittendrin im Geschehen, wie es sich gehörte, wenn man eine Alpha war.

Neben der neuen Season und dem vorher stattfindenden Konzert in Deutschland wurde hier in London – oder genauer gesagt in Richmond, wo das riesige UCoP-Gelände lag – in der nächsten Zeit ein Film über das erste kommerziell erfolgreiche Alphapaar gedreht. Beth übernahm dabei die weibliche Hauptrolle. Eigentlich war eine andere Schauspielerin vorgesehen gewesen, aber die hatte unter dubiosen Gründen kurzfristig abgesagt. Beth wurde dabei das Gefühl nicht los, dass das an ihr lag. Als die Rollen besetzt wurden, gab es Beth offiziell noch nicht, ansonsten hätte sie diese vermutlich schon da aufgezwungen bekommen. Denn das war ein weiterer Punkt, sie machte nicht wirklich freiwillig mit. Tom, ihr Chef und der Leiter UCoPs, hatte ihr das befohlen. Wie sie vermutete aus zwei Gründen: Zum einen sah sie dem Original in einem gewissen Grad ähnlich, zum anderen wurde es dann auch mit Henry, ihrem Filmpartner, weniger kompliziert. Henry Courtenay, der auch im wahren Leben ihr Performpartner war und somit die andere Nummer 1 und Teamleader, konnte äußerst schwierig sein. Keine wusste das besser als Beth. Seitdem sie vor fast zwei Jahren entdeckt wurde, hatte sie ihn an der Backe und er sie. Auch das nicht freiwillig – von beiden Seiten aus. Trotzdem hatten sie sich zusammengerauft und mittlerweile verstanden sie sich ganz gut, auch wenn zwischen ihnen so eine Art Kleinkrieg herrschte. Henry war eingebildet, arrogant, viel zu gutaussehend und leider der beste Performer beider Hemisphären. Wenn er wollte, konnte er Beth das Leben zur Hölle machen. Netterweise hatte sie aktuell etwas Ruhe vor ihm, er war schon seit längerem unterwegs, denn Henry drehte – so ganz nebenbei – auch Filme. Beth wusste nicht, wie er das schaffte, aber anscheinend reichte seine Zeit dafür. Und dann war er auch darin noch verdammt gut. Gerade erst waren die Oscarverleihungen gewesen und Henry hatte tatsächlich einen abgestaubt, worüber Beth nur den Kopf schütteln konnte. So viel Talent auf einer Person, kein Wunder, dass der Typ eingebildet war.

Nun musste sie also ebenfalls schauspielern – wie gesagt gezwungenermaßen – und hatte keine Ahnung, ob das überhaupt funktionierte. Ihr einziger Vorteil schien ihr, dass sie eine Performerin spielte und wenn sie wirklich etwas konnte, dann war es eben performen.

Doch das alles neben den Vorbereitungen für die Berlinshow und auch im Groben bereits für das Jubiläum bedeutete für Beth nur eines: Stress! Gottseidank kam sie damit klar.

Mittlerweile war sie mit Olav unterwegs zum großen Trainingssaal. Ein Gesamttraining stand an, welches alle drei UCoP-Performteams beinhaltete. Alpha sowie noch Beta und Gamma, die beide mehr Teammitglieder besaßen. Beth wusste nicht, ob auch die Musiker da sein würden, die alle, wie die Performer, absolute Meister ihres Faches waren.

Sie erreichten den Saal und öffneten die Tür. Beth würde vermutlich die Letzte sein und damit lag sie richtig, wie sie beim Eintreten feststellte. Das Training hatte längst begonnen. Sie hörte die rhythmische Musik eines Gammasongs, die jedoch nicht von den Musikern kam, sondern vom Band. Gamma performte ihn gerade mit Alpha und Beta. Ein guter Start, vor allem wenn die Hauptpersonen – also sie und Henry – nicht anwesend waren.

Schnell ging Beth nach vorne samt ihrer mit Sachen vollgestopften Tasche. Der gesamte Trainerstab sah sie bereits kommen. Tom nickte ihr zu, also ging ihre Verspätung in Ordnung.

Schnell schmiss sie ihre Sachen auf ihren Platz, unten vorne in der Mitte. Irritation machte sich in ihr breit, denn dort lagen bereits Sachen, fein säuberlich zusammengelegt. Sie warf ihre daneben und sah sich um.

Tatsächlich, Henry war früher zurückgekehrt. Eigentlich hatte sie erst nächste Woche mit ihm gerechnet.

Sie zog schnell ihren Kapuzenpulli aus und ging zu Tom, der sie bereits erwartete und durch seine eisblauen Augen musterte. „Hi Beth.“

„Hi.“

„War das Training mit Olav erfolgreich?“ Olav unterhielt sich gerade etwas weiter mit einem der Gammatrainer.

„Ja, die Songs sitzen gut.“

„Okay, vielleicht teste ich nachher einen“, knurrte er.

Beth nickte und musste innerlich grinsen. Diese Reaktion war typisch für Tom, der nahezu immer schlecht gelaunt wirkte und alles von seinen Performern forderte, besonders von ihr und Henry. Das lag daran, dass er ihnen als einzige bisher Einzeltraining gegeben hatte. Tom, der als eine lebende UCoP-Legende – er war ebenfalls ein Alpha One gewesen – in die Geschichtsbücher eingegangen war, übertrumpfte das jetzt mit seiner Karriere als Leiter von UCoP. Die meisten hatten Angst vor ihm, was Beth verstehen konnte, denn ihr ging es am Anfang nicht anders. Mittlerweile respektierte sie ihn, aber Angst hatte sie keine mehr. „Also dann, warm machen, entweder hier oder nebenan, das ist mir egal. Mit den Songs überlege ich noch.“ Mit einer wegscheuchenden Geste ließ Tom sie schon wieder ziehen.

Beth entschied nach nebenan zu gehen, dort würde sie allein sein und sie konnte sich besser konzentrieren.

Zwanzig Minuten später kehrte sie zurück. Alle Frauen saßen momentan auf der Bank, die Männer hielten sich allein auf der Tanzfläche auf und performten einen ihrer Schmalzsongs.

Beth ging wieder direkt zu Tom, ohne die Männer eines Blickes zu würdigen.

„Okay Beth, wir machen gleich einen der neuen Songs. Henry kann den noch nicht tanzen, aber er kennt immerhin seine Sologesangparts, also nimm auf ihn keine Rücksicht. Doch erstmal performt nur ihr Frauen.“

Beth nickte. Und sah kurz zu den Rängen.

Luke, UCoPs Co-Chef, und Tasha, Lead- und Alphatrainerin der Frauen, gaben nun Anweisungen. Fliegender Wechsel. Tom hielt sie noch kurz auf, um weiteres zu besprechen. Dann schickte er sie endlich auf die Fläche. Alles wartete bereits und Beth grinste ihre fünf Alphakolleginnen Claire, Ana, Charlotte, Rani und Minkah an, die sie alle so ins Herz geschlossen hatte und welche schon an ihren Positionen standen. Doch Beth ging an ihnen vorbei, weiter nach hinten. Sie startete in der Gruppe mit den Beta- und Gammamädels, mit denen sie zumindest den ersten Teil tanzte. Beth positionierte sich vor Lilian, der sie nur kurz zunickte, was diese nur andeutungsweise erwiderte. Lilian konnte Beth nicht ausstehen, denn ihrer Meinung nach, hatte Beth ihr damals die Position als Alpha weggenommen. Dem war zwar nicht so, aber Lilian wollte das nicht kapieren, sodass Lilians Abneigung gegen Beth auf pure Gegenseitigkeit beruhte.

Tom gab das Zeichen zum Start, doch weit kamen sie nicht. Er stoppte alle noch vor Beginn von Beths Soloteil und meckerte. Die anderen hinter Beth hatten anscheinend falsch getanzt, was Beth dazu veranlasste sich umzudrehen. Lilian verdrehte die Augen, Kim, die Beta One und somit Teamleaderin von Beta, seufzte und einige andere sahen schuldbewusst drein. Eine Wiederholung folgte und dann noch eine weitere, erst dann schien Tom zufrieden. Noch bevor sie das Lied einmal komplett durchgenommen hatten, ließ er die Jungs mit auf die Fläche schicken. Henry wirkte selbstbewusst wie eh und je und wie gut er aussah, hatte Beth schon ganz vergessen. Doch sie gebot sich Einhalt und konzentrierte sich.

Dieses Mal durfte sie ihr Solo singen. Henry stand dabei vor ihr und wartete darauf, was sie machen würde.

Sie kam singend auf ihn zu. Das Lied ging in die Richtung Country, gepaart mit Rock und schnellen Rhythmen, die jetzt vordergründig erklangen. Seine Augen wirkten belustigt. Und allein das stachelte sie an. Er improvisierte irgendwie, worin er unübertroffen blieb, und amüsierte sich offensichtlich über Beths fordernde Art und Weise. Dann wurde es plötzlich schnell und Henry wusste nicht, dass es nach vorne ging, sodass Beth mit den anderen Alphas weg war, bevor er es überhaupt kapierte. Das wiederum amüsierte sie.

Und vorne angekommen, fast direkt vor Tom, haute sie alles raus, was sie konnte. Alle Alphas außer Henry tanzten schön in Formation. Beth erblickte Henry bis zum Ende des Songs nicht wieder.

Der Durchgang lief für ihr Ermessen zumindest vorne ausgesprochen gut. Das sah auch Tom so: „Vorne war okay! Ihr hinten müsst echt noch an den Rhythmen arbeiten!“, brüllte er in den Saal.

Beth stand derweil entspannt und wartete auf weitere Anweisungen.

„Na, wie läufts?“ Eine Hand berührte sie kurz an der Schulter und sie zuckte unwillkürlich zusammen. Henrys Spezialität, sich anschleichen und Beth zu Tode erschrecken!

Sie drehte sich wütend um und sah ihn an. So wie seine Augen glänzten, war es tatsächlich Absicht gewesen. „Gut, zumindest solange bis du versucht hast, mich aus dem Konzept zu bringen“, antwortete sie ironisch.

„Mist, ist das aufgefallen?“, schmunzelte er.

„Geringfügig.“ Beth verdrehte die Augen. Der private Kleinkrieg ging in eine neue Runde.

„Das war gerade echt ganz gut, ich sollte schleunigst meine Schritte lernen, damit du nicht so verloren wirkst!“, wechselte er jetzt das Thema.

Beth stöhnte. „Anscheinend ist mit deinem Oscar dein Selbstbewusstsein und deine Arroganz ins Unermessliche gestiegen, daran sollten wir echt arbeiten!“, konterte sie.

Er lachte laut auf. „Ach Beth, ich habe dich wirklich vermisst!“

Sie schaute ihn skeptisch an. „Unseren Kleinkrieg?“

„Exakt den.“ Er zwinkerte ihr zu.

„Hmpf, herzlichen Glückwunsch im Übrigen! Aber das hab ich dir ja schon geschrieben. Muss ich dich jetzt irgendwie anders behandeln?“

„Außer mich als Gott zu verehren? Nein! Aber danke“, antwortete er selbstzufrieden.

Beth lachte spontan los. „Na gut, ich gebe es nicht gerne zu, aber irgendwie habe ich das auch vermisst. Anscheinend habe ich eine masochistische Ader.“

Er grinste. „Anscheinend.“

„Aber ich werde dich nicht als Gott verehren!“

„Schade, es war einen Versuch wert, aber dafür habe ich ja noch die Lilians.“

Die Lilians, ihre interne Bezeichnung für alle seine Verehrerinnen aus den anderen Teams, ein paar Jungs waren auch darunter. Ursprünglich gebildet war das Wort von Lilian, denn sie hatte nicht nur einen Platz bei Alpha gewollt, sondern war auch schwer in Henry verliebt. Doch Henry hatte ihr letztes Jahr auf dem alljährlichen UCoP-Ball einen Korb gegeben und Beth hatte das Drama hautnah miterlebt. Trotzdem ließ Lilian nicht locker, ihre Blicke schmachteten ihn mehr denn je an.

 

Das Training wurde schließlich fortgesetzt. Henry und Beth liefen, sich gegenseitig anstachelnd, zur Höchstform auf.

Nach drei Stunden ließ Beth sich erschöpft auf die Bank fallen. Gottseidank war heute Samstag, was bedeutete, dass das Training bereits endete und sich die Wege trennten. Doch zum Abendessen trafen sich alle Alphamitglieder bereits wieder, was einfach daran lag, dass sie alle zusammen verteilt auf zwei Häuser in eigenen Wohnungen, wohnten. Das Abendessen nahmen sie deswegen gemeinsam ein, aus Praktikabilitätsgründen, wie es hieß. Außerdem schien es eine lange Tradition zu besitzen und förderte den Teamgeist, wie Beth befand.

Bei der Unterhaltung am Tisch ging es hoch her, die Stimmung war gut, und da sie sich gegenseitig so viel zu erzählen hatten, setzten sie sich danach noch alle gemeinsam auf die Sofas in ihrem eigenen Loungebereich.

„Kommt heute Abend jemand mit?“, fragte Sean plötzlich. Sean der König aller Partys, der feiern mindestens genauso ernst nahm, wie performen, und neben Henry einer der sechs Alphamänner war. Thien, Ben, Feodor, den alle Feo nannten, und Dayo komplettierten die Runde.

Beth dachte über Seans Frage nach. Nachdem sie nach ihrem ersten Konzert mit den anderen ihre erste richtige Clubparty gefeiert hatte, war sie noch einige Male weg gewesen, selten mit Sean – mit diesem eher nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ -, öfter dagegen mit Ana, mit der es immer lustig wurde. Doch Beth hatte darauf geachtet, es nie besonders ausarten zu lassen, dafür war sie einfach nicht der Typ. Sean amüsierte sich deswegen öfter über ihre Spießigkeit.

„Also ich hätte tatsächlich Lust“, rief Claire neben Beth. „Noch eine von euch Mädels? Ich will nicht alleine mit Sean feiern.“

„Was soll das denn heißen?“, fragte dieser entrüstet Claire, die seine Performpartnerin war. Zusammen trugen sie beide die 2. Jeder besaß eine Nummer, die den gesetzten Rang festlegte und weswegen Henry und Beth mit ihrer 1 ganz oben an der Spitze standen.

„Das soll bloß heißen, dass ich keinen Bock habe, deine Freunde alleine zu ertragen. So viel Alkohol gibt es nämlich nicht auf der Welt, dass das möglich ist!“ Alle begannen zu lachen und selbst Sean konnte ein Grinsen nicht vermeiden. „Also kommt jetzt noch irgendwer mit? Charlotte?“

Diese kicherte immer noch: „Sorry, kann nicht!“

Claire seufzte. Derweil bemerkte Beth, wie Ana ihr einen Blick zuwarf und fragend ihre hübsche Augenbraue hob. Beth senkte nur einmal kurz den Kopf, das genügte Ana bereits. „Beth und ich kommen mit!“ Locker und leicht warf sie das in den Raum und Claire begann sofort zu strahlen.

„Cool!“, antwortete jedoch Sean als Erster. „Dann habe ich ja genügend Frauen zum Angeben.“

Wie auf ein Kommando stöhnten alle auf.

„Vielleicht sollten wir unser eigenes Ding draus machen“, brummte Ana kopfschüttelnd.

„Och kommt schon, zurückziehen gilt nicht“, jammerte Sean.

„Wir geben ihm einfach genug zu trinken, dann wird er schon ruhig.“ Ben grinste. „Ich komm auch mit“, fügte er hinzu.

Beth sah zu Ben. Dieser sah heute besser aus als in den letzten Wochen. Mal abgesehen davon, dass er das letzte Konzert fast wegen einer Stimmbandentzündung hatte auslassen müssen, war Ben in der letzten Zeit zu einer tragischen Figur unter ihnen mutiert. Erst hatte sich seine Freundin von ihm getrennt, mit der er immerhin fast zwei Jahre zusammen gewesen war. Beth hatte diese nicht sonderlich gemocht, sondern sie im Gegenteil für eine blöde Pute gehalten, sodass sie die Trennung an sich nicht tragisch fand. Aber Ben hatte das schwer zu schaffen gemacht und das wiederum hatte Beth schrecklich leidgetan. Vor allem, weil die Umstände auch noch so kurios schienen: Die blöde Pute hatte ihn nämlich für einen seiner Security-Männer verlassen, der damit natürlich seinen Job losgeworden war. Zudem hatte die Presse Wind davon bekommen und für drei vier Tage wurde das Drama medial ohne Ende ausgeschlachtet. Gottseidank gewann Henry dann einen Golden Globe – noch vor dem Oscar – und lenkte alle ab.

Aber das war nur eines der beiden Ereignisse gewesen, denn kurze Zeit später starb Bens Vater an einem plötzlichen Herzinfarkt. Das hatte ihm dann endgültig den Rest gegeben.

Doch nun schien er sich langsam wieder zu fangen, wie Beth erleichtert feststellte. Gut so, weder die blöde Pute hatte es verdient, das ihr nachgetrauert wurde, noch hätte Bens Vater gewollt, dass Ben sich gehen ließ. Mit Ben würde Beth außerdem in der nächsten Zeit öfter zu tun haben, denn er war neben ihr fest für das Berlinkonzert eingeplant, da er als Einziger außer ihr Deutsch sprach. Nur an seinem Schweizer Akzent würden sie arbeiten müssen.

„Das freut mich“, antwortete Sean und wurde ernst. „Sonst noch jemand?“

Auch Feo und Thien hatten Lust. Minkah, Rani sowie Dayo hatten keine Zeit oder keinen Bock. Dann sah Sean zu Henry, der ziemlich still dasaß, was auch daran liegen konnte, dass er permanent von seinem Smartphone abgelenkt wurde.

„Henry?“

„Was?“ Er sah irritiert auf.

„Bist du überhaupt anwesend?“ Sean betrachtete ihn belustigt.

„Natürlich bin ich anwesend!“, antwortete Henry genervt und ließ sein Telefon sinken.

„Kommt uns irgendwie nicht so vor“, warf Feo ein.

„Eventuell deine neue Freundin?“, fragte Thien, der ohne Ende grinste.

Beths Kopf ruckte erneut zu Henry. Neue Freundin? Davon wusste sie gar nichts, aber sie vermied es normalerweise auch, irgendwelche Klatschnachrichten zu lesen. Wenn es was entscheidend Wichtiges in den Medien gab, hatte sie ein ganzes Team an Leuten, die ihr das mitteilten. Bei jeglichem anderen Klatsch informierten sie die anderen Alphas. Doch von einer neuen Freundin war bisher keine Rede gewesen. Beth blickte sich kurz im Raum um, doch sie schien nicht die Einzige, die erstaunt dreinschaute. Alle Frauen sahen so bestürzt aus, wie Beth sich fühlte.

„Oh ja, du wolltest uns noch von IHR erzählen!“ Sean biss sofort an. Henry verdrehte nur die Augen.

Claire hakte als Erste nach: „Neue Freundin?“

„Ist nichts Ernstes!“, erwiderte Henry schnell und man merkte ihm an, dass er nicht darüber reden wollte. „Was hast du mich gefragt, Sean?“ Er lenkte stattdessen vom Thema ab und Beth musste zugeben, dass er dabei ziemlich effektiv vorging, denn nun war Sean kurz irritiert, bis ihm die Party wieder einfiel.

„Kommst du heute Abend mit zum Feiern?“

„Sorry, ich kann nicht. Ich muss jetzt auch los. Bis spätestens Montag.“ In Rekordgeschwindigkeit hatte Henry den Raum verlassen und ließ elf perplexe Alphas zurück.

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