Alpha Two – Special: Gespräch zwischen Henry und Michael

Bildquelle: Privat

Eine Zusatzszene zu Alpha Two …

 

Achtung: Wer Alpha One und Alpha Two noch nicht gelesen haben sollte, dem droht massive Spoilergefahr 😉

 

Hintergrund:

Nachdem Beth Dates mit Michael hatte, vergeht eine Weile, in der sie nicht nur Henrys permanente schlechte Laune erträgt, sondern auch noch mit Lilian singen muss, die deswegen zunehmend nervös ist. Beth übt den Abend vor einem geplanten öffentlichen Training besonders intensiv mit ihr und hat Erfolg. Spät abends kommt sie hungrig nach Hause und trifft in der Großküche auf Henry, der sie sofort anmeckert, weil sie sich seiner Meinung nach vor so einem Training besser mehr ausruhen sollte. Beth erklärt die Sache, die Stimmung wird besser und auf dem Weg nach oben zu ihren Wohnungen fragt Beth erneut danach, was Henrys Problem ist. Er will jedoch nicht darüber reden, was Beth akzeptiert.

Am nächsten Morgen ist Beth früh im Stadion, ein Vorabfotoshooting von ihr vor dem öffentlichen Training steht an. Wir befinden uns in Kapitel 22 von Alpha Two, in der sich, von Beth mehr oder minder unbemerkt, diese Szenen abspielen …

 

Michael:

 

Zwei Wochen waren vergangen, seitdem er Henry und auch Beth das letzte Mal gesehen hatte. Heute war öffentliches UCoP-Training, zudem Henry ihn eingeladen hatte, und da er eh ab nächste Woche in der Nähe von London drehte, sah er das als gute Möglichkeit an Henry wiederzusehen und dann natürlich auch Beth. Er sah sich sowieso gerne die Trainings an, wenn er die Gelegenheit bekam, denn dort wirkte alles noch einmal ein Stück echter, als in den Shows. Man sah wieviel Arbeit alles machte und man erkannte das wahre Talent von allen, nämlich diese Torturen durchzustehen, für was Michael Henry schon immer still bewundert hatte. Außerdem musste er das Problem angehen, auf das er von Claire aufmerksam gemacht worden war. Er musste sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass es stimmte. Wo ging das besser als bei einem öffentlichen Training?

Hintergrund: © hubis3d / Fotolia.

Doch zunächst hieß es warten. Als er kam, wurden gerade Fotos von Beth auf der Bühne geschossen. Michael beobachtete abwechselnd Beth, die einfach umwerfend aussah und geduldig alles machte, was der Fotograf von ihr wollte, und Henry, der neben Michael stand und immer wieder zu ihr schaute, gleichzeitig jedoch immer schlechter gelaunt wurde. Heute Morgen hatte er ihn noch freudig begrüßt, doch das änderte sich jetzt und Michael konnte nur ahnen, woran das lag.

Nach einer Weile schien Beth fertig, sprang die Bühne runter und kam bei ihnen vorbei, weil auch ihre Sachen hier lagen. „Morgen“, rief sie. Michael hatte ihr Kommen bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht bemerkt, weil er Henry beobachtete. Doch sein Kopf ruckte rum. Dort stand sie und sah mit ihren braunen Augen sowohl zu ihm als auch zu Henry. Sie wirkte ein wenig müde. Michael wollte sich lieber gar nicht vorstellen, wie früh sie heute Morgen bereits angefangen hatte. Definitiv eher als er.

„Morgen!“ Michael sah zu Henry, dessen Ton grundlos aggressiv klang, sich aber gleich wieder auf sein Telefon besann.

Michael reagierte und stand auf. „Hi. Viel zu tun heute?“ Er lächelte Beth an und gab ihr ein zartes Küsschen auf die Wange. Er achtete darauf, dass das nur rein freundschaftlich rüberkam, denn er spürte Henrys Blick auf sich, der nur so tat, als wäre sein Telefon super spannend. Michael sah seinen Verdacht bestätigt und hielt zur Überprüfung kurz Smalltalk mit Beth.

Wie erwartet mischte Henry sich ziemlich schnell ein, als es darum ging, für was die Fotos gerade gemacht worden waren.

„Für Berlin!“, brummte er ungehalten.

„Wieso weißt du das und ich nicht?“, konterte Beth sofort. Sie hatte immerhin keine Angst vor Henry und ließ sich erst recht nicht alles von ihm gefallen. Sie erinnerte Michael manchmal an Henry, beide besaßen neben dem überragenden Talent auch die selbe Art von Stärke. Vermutlich war es das, was sowohl ihm als auch Henry so gut an ihr gefiel. Auch wenn sie schüchtern war, war sie keines dieser willenlosen Püppchen. Außerdem war sie bildschön und er verdrängte sofort die aufkommenden Bilder von ihren Küssen und ihrer ersten gemeinsamen Nacht. Nur ein winziges Grinsen konnte er nicht vermeiden, als er die beiden jetzt sich gegenseitig anschnauzen sah.

Doch Henry unterbrach das sofort, er ging einfach.

Beth blieb entgeistert zurück. „Was ist denn bei ihm heute Morgen schiefgelaufen?“, wandte sie sich an ihn.

„Keine Ahnung!“ Auch Michael sah Henry nach, er hatte sehr wohl eine Ahnung, aber er wollte immer noch mehr Anhaltspunkte.

„Er hat schon seit Wochen schlechte Laune. Und neuerdings ist er unkonzentriert beim Training. Irgendwas belastet ihn, aber er will mir nicht erzählen, was es ist. Weißt du irgendwas?“ Beth sah fragend zu Michael und er hatte das Gefühl, dass ihr Blick ihn durchbohrte.

„Ich habe eine Vermutung!“, was ihm einen weiteren fragenden Blick von Beth einbrachte. „Sorry Beth, aber ich muss erst sicher sein!“

Gottseidank war sie damit zufrieden. Er würde ihr auf keinen Fall berichten, was Claire zu ihm gesagt hatte. Claires Aussage nach war auch Beth bei dem Thema Henry empfindlich.

 

Bald darauf begann das offizielle Training. Nicht sehr lange Zeit darauf folgten die Paartänze und Michael konnte Beth und Henry in aller Ruhe beobachten und was er sah, gefiel ihm nicht. Henry hielt sich eindeutig fern von Beth. Michael ahnte, dass die meisten das nicht sehen würden, aber er kannte Henry und normalerweise, wenn er schon mit einer Frau tanzen musste, nutzte er das voll aus, auch bei Beth. Nicht so heute, im Gegenteil, er wirkte, als wollte er schnellstmöglich weg von ihr, während sie einfach nur tanzte, wie sie immer tanzte.

 

Michael blieb nicht der Einzige, der Henrys komisches Verhalten bemerkte. Tom, der in der Nähe stand, war stockwütend und hielt Henry schließlich eine leise, von allen ungehörte Strafpredigt, die Henry irgendwann wütend in Michaels Richtung laufen ließ.

„Kommst du mit?“, fragte er brummig.

„Klar!“ Michael erhob sich und ging gespannt vor zu Henrys Garderobe.

 

Als sie ankamen schickte Henry alle raus, nur er selbst und Michael blieben zurück. „So ein Scheiß!“, fluchte Henry los und rannte wütend im Raum hin und her. Er konnte sich kaum beruhigen.

Michael setzte sich in eines der beiden Sofas und beobachtete seinen besten Freund und sein Verhalten. „Was ist los?“, fragte er schließlich.

„Alles läuft daneben, das ist los!“, fuhr er ihn an und tigerte weiter.

Michael hob die Augenbraue und sah sich im Raum um. Sein Blick fiel auf die Bilder von Beth, die so offensichtlich an seinem Spiegel hingen. Bis jetzt hatte sich Michael nie darüber gewundert, doch jetzt kam ihm zum ersten Mal der Gedanke, dass Henry sie dort aus ganz bestimmten Gründen aufgehängt hatte. „Beruhig dich erstmal, Alter!“ Michael wandte sich zurück zu Henry.

„Wie soll ich mich bitte beruhigen?“ Henry trat gegen einen nahen Eimer, der einfach ein Stück weiter rutschte.

Michael verdrehte die Augen. „Tu es einfach.“

„Das ist nicht so leicht und du hast keine Ahnung!“

Michael brummte. „Dir geht’s scheiße, warum auch immer. Immerhin davon habe ich Ahnung.“ Das hatte er wirklich, er war vermutlich der Einzige, der überhaupt irgendwas von Henry und seiner Vergangenheit wusste, bis auf seine Familie. Henry war seit jeher eher verschlossen. Er ließ stattdessen alles beim Performen raus oder ertränkte sich in Alkohol, wobei das seit Beths Auftauchen besser geworden war. Ein weiteres Indiz.

Henry grummelte und trat nun wütend gegen einen Stuhl.

Michael riss der Geduldsfaden, das Verhalten brachte sie nicht weiter. „Henry, du setzt dich jetzt dort hin und hörst mir einmal in deinem Leben zu!“, befahl Michael und Henry schien so überrascht, dass er sich tatsächlich auf das andere Sofa setzte. Aber Michael sah, dass es nur die Ruhe vor dem Sturm war. „Wir müssen reden! Deine Laune ist unterirdisch und ich glaube, dass du keine Ahnung hast, warum das so ist!“

Er beobachtete Henry, seine Stirn runzelte sich. „Michael, was willst du von mir?“

„Du bist mein bester Freund und ich sehe, dass es dir schlecht geht.“

Henrys Augen verengten sich, ein Zeichen, dass Michael voll ins Schwarze getroffen hatte.

Michael räusperte sich. „Es ist Beth, oder?“

„Sie ist meine Performpartnerin!“ Henry schmettere es einfach ab und wirkte dabei auch nicht im Geringsten bemüht.

„Ja ist sie, aber das ist nicht der Punkt!“

„Komm auf den Punkt!“, knurrte er.

„Du liebst sie!“ Michael warf ihm das einfach an den Kopf. Der direkte Weg war bei Henry zwar nicht immer schlau, aber definitiv effektiv, wenn man mit den Konsequenzen klarkam. Und Michael kam mit den Konsequenzen schon sein Leben lang klar.

„Du hast sie nicht alle!“ Henry sprang auf und wollte fliehen. Die Taktik wandte er immer an, wenn es für ihn brenzlig wurde, das wusste Michael.

„HENRY!“ Michael brüllte. Das tat er selten, aber auch das war effektiv. „Komm mal runter und setz dich verdammt noch mal wieder hin! Glaubst du, ich sage das, um dich zu ärgern?“

Henry blieb stehen und schaute wie ein skeptisches Raubtier zu ihm rüber.

Michael nutzte das. „Wir kennen uns seit unserer frühsten Kindheit und ich weiß, dass du nichts mehr hasst, als das jetzt gerade, aber scheiße Alter, ich kann einfach dein Leid und deine unterirdische Laune nicht mehr ertragen! Hast du dich mal gesehen?“

„Na dann geh doch!“, knurrte Henry, blieb aber stehen.

„Das ist jetzt ´ne totale Verteidigungshaltung!“, konterte Michael.

Henry brummte, dann kam er plötzlich mit wütendem Gesicht zurück und zu Michaels Verwunderung setzte er sich. „Also dann spiel mal den Hobbypsychologen!“ Seine Augen funkelten und Michael konnte verstehen, dass so viele vor ihm Angst hatten. Dabei war er eigentlich nicht so, das alles war nur seine persönliche Schutzmauer, damit ihm keiner zu nah kam.

„Hör dir einfach nur an, was ich beobachtet habe.“

Henry verdrehte die Augen, aber nickte.

„Ich habe noch nie gesehen, dass du jemanden so nah an dich heranlässt wie Beth. Ich weiß nicht, ob dir das überhaupt bewusst ist, aber sie kennt dich verdammt gut. Manchmal denke ich, sie kennt dich sogar besser, als ich dich kenne.“ Er räusperte sich und sah Henry schräg an. Der verdrehte schon wieder zu Tode genervt die Augen. „Und dass du sie magst, ist für jeden, der dich kennt, unübersehbar. Nicht nur wenn ihr beide performt, dein Blick ist auch ansonsten immer auf ihr. Du beobachtest sie rund um die Uhr und hast alles andere nur nebenbei im Blick. Hat sie auch nur den Hauch eines Problems, bist du der Erste, der fragt, ob sie Hilfe braucht. Das liegt nicht daran, dass ihr zusammen performt. Bei Nicole war es nicht so und davor auch nicht.“ Michael schwieg kurz und beobachtete ihn. Henry hatte die Lippen zusammengepresst und guckte auf den Boden. „Bei der ganzen Sache gibt es nur drei Probleme: Das Erste bin ich. Ich mag sie, vielleicht bin ich sogar ein bisschen verknallt und wenn du nicht wärst, dann hätte ich sie mir vermutlich schon längst geschnappt. Aber ich muss auch der Wahrheit ins Auge blicken, denn sie und ich sind sehr unterschiedlich, sie liebt das Performen mehr als alles andere und ich kann nicht tanzen. Dann bin ich ständig unterwegs und rastlos, ich kann nicht lange bei einer Sache bleiben, nicht so wie sie und wie du. Wir mögen uns, aber wir passen auf Dauer nicht zusammen, das ist Fakt.“

Henry hörte immer noch schweigend mit gesenktem Kopf zu.

„Dann wäre da noch Problem Nummer 2: Beth! Ihr seid euch verdammt ähnlich, sie blendet dich aus, genauso wie du es bei ihr versuchst. Aber sie mag dich, sie vergleicht jeden mit dir, auch mich, und ehrlich, da hat niemand auch nur den Hauch einer Chance. Sie spricht oft von dir und macht sich Gedanken, wie vorhin, als du grundlos fies zu ihr warst. Ich kann dir nicht sagen, wie weit das alles bei ihr geht, aber anscheinend stehst du bei ihr gar nicht auf dem Schirm, woran im Übrigen du selbst schuld bist.“ Er atmete durch. „Kommen wir also zu Problem Nummer 3! Du bist selbst dein größtes Problem! Du willst sie und gleichzeitig hast du diesen bescheuerten Kodex nichts mit UCoP-Frauen anzufangen, von dem sie weiß und weswegen sie nicht auch nur den Hauch einer Anstrengung in deine Richtung riskiert. Dass du diesen Kodex hast, kann ich nachvollziehen.“ Das konnte er wirklich. Bei jedem Schauspieljob war es so, dass man sich irgendwann nicht mehr sah, höchstens noch für Promotiontermine, aber hier auf dem Gelände? Da gab es keinen Abstand und Henry hatte, was das anging, schlechte Erfahrungen gemacht.

Henry sah immer noch auf den Boden, die Arme vor sich verschränkt.

Michael seufzte. „Wie gesagt, ich habe dich beobachtet. Du willst es eigentlich nicht, aber dein Kopf konnte leider nicht verhindern, dass Beth sich in dein Herz geschlichen hat.“

Henry schaute auf, man konnte kein bisschen an ihm ablesen, was er dachte. Aber auch das kannte Michael schon.

„Du kommst da nicht mehr raus. Es ist zu spät. Du machst es nur noch schlimmer, wenn du sie auf Abstand hältst. Außerdem tut sie dir gut, Henry, und holt dich aus deinem kleinen verkorksten Schneckenhaus raus. Und allein dafür mag ich sie schon, weil sie meinem besten Freund guttut. Geh in dich, überleg was du willst und wenn du dich endlich entschließen kannst, dann zieh das Ganze auch durch mit allen Konsequenzen!“

„Fertig?“, brummte Henry.

„Ja! Jetzt darfst du reden!“

Doch Henry schwieg. Sein Fuß bewegte sich, so als würde er damit irgendeinen Takt tanzen, um sich abzulenken.

„Henry sag einfach irgendwas, aber ignorier mich nicht, das kannst du mit ihr machen, aber nicht mit mir! Ich habe dich durchschaut und ich habe recht, stimmts? Komm, rück raus damit!“, knurrte Michael ihn an.

Michael bemerkte, wie Henry anscheinend mit sich kämpfte.

„Ich hab Angst!“ Plötzlich, mit leiser Stimme, sah Henry hoch und ihn verunsichert an. Der Augenblick währte nur kurz, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle und runzelte die Stirn.

„Verdammt Alter, Frauen sind so nervig und Nerv tötend, wer hätte da keine Angst?“ Michael grinste, auch weil er recht gehabt hatte. Henry hatte mit dieser einen Aussage alles indirekt zugegeben.

Henry gluckste. „Du sprichst anscheinend aus Erfahrung!“

„Und ob! Und Beth würde dir in mancherlei Hinsicht die Hölle auf Erden bereiten.“

Henry seufzte und Michael meinte einen Hauch von einem Grinsen bei ihm zu erkennen.

„Denk über die Sache nach“, fügte Michael ernst hinzu.

Henry sah ihm in die Augen, dann nickte er. „Weißt du, was sie an meinem Geburtstag gemacht hat?“, begann er plötzlich.

Michael hatte keine Ahnung.

„Sie hat Jack bequatscht, der mir von ihr ein winziges Päckchen hinlegen sollte, wo ich mich häufig aufhalte. Er hat es mir aufs Sofa gelegt. Abends nach dem Abendessen habe ich es gefunden.“

„Und?“ Er fasste es nicht, dass Henry tatsächlich etwas erzählte.

„Ein Einzelner von diesen deutschen Schokoriegeln, von denen sie an ihrem Geburtstag festgestellt hat, dass ich sie mag. Mit einer Minikarte, wo sie nur „Trostschokolade“ draufgeschrieben hat.“

Michael fiel die Kinnlade herab. „Weiß sie von der Sache mit deinem Geburtstag?“

„Ich habe ihr das letztes Jahr aus einem Impuls heraus erzählt.“ Er druckste verlegen rum. „Sie hat nicht direkt gefragt, aber ich hatte irgendwie das Bedürfnis ihr mein Verhalten zu erklären!“ Er verdrehte die Augen und Michael musste sich stark ein Grinsen verkneifen. So viel zum Thema, dass Henry sie schon in sein Leben gelassen hatte.

„Sie ist echt nett und voller Empathie!“, meinte er sanft.

Henry sah wieder auf den Boden. „Ich wusste nicht, was ich wegen dem Geschenk machen sollte und habe ihr einfach eine Nachricht aufs Handy geschickt!“

„Was hast du geschrieben?“ Michael hielt es vor Spannung kaum aus.

„Ich habe einfach „Danke!“ geschrieben.“

Michael gluckste. „Sehr kreativ!“

„Was hätte ich denn sonst schreiben sollen?“ Henry schaute verzweifelt auf.

Michael verdrehte die Augen. „Vergiss es einfach. Hat sie was geantwortet?“

„Sie hat mir einen zwinkernden Smiley zurückgeschickt.“ Henry sah auf seine Hände und drehte sie hin und her.

„Na dann war sie wohl zufrieden.“

„Ich habe ihr dann noch ein Bild zugesandt, als ich die Schokolade aufgegessen hatte. Fünf Minuten später oder so.“

„Dein berühmter Appetit.“ Michael hustete erheitert. „Hat sie darauf was geantwortet?“

„Sie hat gefragt, ob die Schokolade geholfen hat.“

„Und du hast was geantwortet? Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!“, beschwerte er sich.

„Ich habe ihr dann einen lächelnden Smiley zurückgeschickt, weil ich wieder nicht wusste, was ich schreiben sollte.“ Henry seufzte schmerzverzehrt.

„Gott Alter, dich hat es wirklich schwer erwischt.“ Michael grinste jetzt milde. So hatte er Henry wirklich noch nie gesehen.

Henry stöhnte und dann lehnte er sich im Sofa zurück. „Scheiße, ich weiß, und ich wollte und will das eigentlich um alles auf der Welt vermeiden.“

„Vielleicht ist es gerade deswegen passiert.“

„Jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll.“

„Sie nach einem Date fragen?“ Michael grinste. Manchmal war Henry wahrlich beschränkt.

„Ich bin nicht du!“, konterte er.

„Es wäre einen Versuch wert“, ermunterte er ihn.

Henry sah plötzlich auf seine Uhr „Wir müssen zurück!“ Damit vertagte er das Thema.

Michael guckte auch auf seine Uhr und seufzte. „Dann können wir sie wenigstens noch bewundern.“

Henry seufzte erneut. „Weißt du, was das Schlimmste an der ganzen Sache ist?“ Er sah auf. „Aber das erzählst du niemandem, außer du willst sterben!“, sagte er mit einem Blick, der wirklich den Tod versprach.

„Versprochen.“ Michael musste grinsen, er war froh, dass Henry überhaupt redete.

Henry stöhnte. „Ich kann es nicht ertragen, wenn sie auch nur ansatzweise mit jemand anderem performt. Und das mit dir sind und waren für mich echte Höllenqualen! Ich glaube, ich war noch nie so eifersüchtig, wie auf dich, sorry!“

Michael kicherte. „Darum darf sie also so gut wie nie mit wem anders tanzen. Jetzt ergibt das endlich Sinn. Na ja, da du nicht redest, konnte ich dir die Qualen von meiner Seite aus nicht ersparen. Du hättest halt mal handeln sollen. Aber ich kann dir sagen, die Qualen sind es wert.“ Michael machte ein anzügliches Gesicht und dachte sich seinen Teil dazu, wieder blitzten Bilder von Beth in seinen Gedanken auf.

„Ich würde mich jetzt furchtbar gern mit dir prügeln!“ Henrys Augen waren zu Schlitzen mutiert.

Michael lachte und klopfte ihm auf die Schulter. „Vergiss es, ich drehe nächste Woche und brauche mein hübsches Gesicht. Aber ich werde mit ihr reden, um das zwischen ihr und mir zu beenden.“

Henry seufzte. „Tu ihr aber nicht weh!“

„Ich versuche mein Bestes, außerdem bist du doch derjenige, der es bis jetzt versaut hat.“

Henry knurrte als Antwort und zusammen traten sie aus seiner Garderobe.

 

Fünf Minuten später waren sie zurück und Michael konnte amüsiert feststellen, dass sowohl seiner als auch Henrys Blick sofort zur Bühne und zu Beth gingen, die gerade mit Tom sprach. Sie hörte zu und nickte ab und an, während Tom ihr anscheinend Anweisungen gab.

Henry und Michael setzten sich auf ihre Plätze in der vordersten Reihe und beobachteten sie und das rege Treiben. Dann performte sie eines Ihrer Lieder. Michael sah zu Henry, der sie förmlich anstarrte. Innerlich grinste er, Henry war definitiv hin und weg. Einem Normalsterblichen würde das ebenfalls nicht auffallen, aber Michael kannte Henry seit sie Kinder waren und es hatte seitdem nur weniges gegeben, was Henry so bewundert und gewollt hatte. Als Kind hatte er so geschaut, wenn es ums Performen ging und erst als er endlich Unterricht hatte, war er zufrieden. Jahre später, als sie 12 oder so waren, schauten sie eine der UCoP-Shows im Fernsehen an und Henry hatte auch dort den Blick gehabt, den er jetzt Beth zuwarf.

Beth war schließlich fertig und kam vorbei. „Na, wieder da?“, fragte sie forsch Henry und ließ sich von irgendjemandem eine Flasche Wasser reichen. „Du bist gleich dran!“

„Ich weiß!“, antwortete dieser in seiner arroganten Art und Michael hätte ihn erwürgen können.

Beth verdrehte die Augen. Dann schaute sie zu Michael und lächelte. Michael grinste zurück. „Schien gerade gut gelaufen zu sein.“

Beth sah schnell in Toms Richtung. „Scheint so. Aber ich muss wieder los. Sehen wir uns später?“ Sie ignorierte Henry vollkommen wie Michael feststellte. Und der wiederum war total angespannt.

„Ja“, sagte Michael schlicht und Beth nickte.

„Dann bis später.“ Sie drehte sich halb rum. „Kommst du mit?“, fragte sie noch einmal Henry.

„Sofort“, knurrte dieser böse.

Beth ging vor und als sie außer Hörweite war, schüttelte Michael den Kopf. „Wenn du so ein Arsch bist, wird das nie was.“

„Sie hat mich gar nicht beachtet!“, maulte Henry.

Michael stöhnte. „Sie hat dich eher beachtet als mich, sie ist nur zu mir gewechselt, weil du so ein Idiot bist. Aber auch egal, ich rede heute Abend mit ihr. Morgen bin ich weg, dann mach was draus.“

Henry rümpfte die Nase, stand auf und folgte Beth.

 

Plötzlich rumste es auf dem Sitz neben ihm.

„Hallo Michael!“, brummte Tom

Michael sah zur Seite. „Hi Tom!“

Sie schwiegen bis Henry und Beth anfingen. Beth lächelte gerade, anscheinend hatte Henry irgendwas Lustiges gesagt. Er konnte es also doch. Michael seufzte. Henry drehte sich gerade weg, als Beth ihn plötzlich anstarrte.

Michael bekam eine Gänsehaut, ihr Blick zu Henry war so warm und eindringlich, wie sie Michael noch nie angeschaut hatte. Und Henry hatte das gar nicht registriert. Aber der Blick währte nur kurz, denn Henry drehte sich zu ihr zurück und sofort änderte sich ihr Gesicht. Das war interessant, anscheinend hatte sie so ´ne Art Henrymaske, damit er nicht sah, was sie wirklich dachte.

„Henry und Beth!“, sagte Tom plötzlich neben ihm.

Michael nickte. „Ich habe mit Henry über Beth gesprochen!“

„Ja, das habe ich auch! Mehrmals!“, brummte er.

Michael sah überrascht zu Tom. „Davon hat er nichts gesagt.“

„Wann redet er schon mal!?“, grummelte Tom und wandte seinen kühlen Blick in Richtung Bühne. „Hoffen wir, dass es gutgeht, aber so kann es wirklich nicht bleiben.“

„Du machst dir Sorgen!“, stellte Michael fest.

„Ich mache mir immer Sorgen um meine Schützlinge und um meine beiden Lieblinge besonders. Aber das bleibt unter uns.“ Tom stand auf und klopfte ihm leicht auf die Schulter. Dann ging er und brüllte irgendetwas auf die Bühne an irgendwen.

Michael schüttelte verblüfft den Kopf.

 

 

ENDE

 

Tja, wie es ausgeht wissen wir, er braucht noch eine Weile 😉 Und wenn Henry oder Beth irgendwann davon reden, dass sie miteinander über Beth gesprochen haben … na ja, ihr seht es ja.