Alpha One – Geburtstagsspecial

Alpha One feiert am 31.01.2018 seinen 1. Geburtstag. Es ist genau ein Jahr her, dass ich auf „Buch veröffentlichen“ geklickt habe. Für mich ein wirklich bedeutender Tag und weil ich mich so freue, habe ich ein kleines „Prequel“ geschrieben. Wer Alpha One gelesen hat, erinnert sich bestimmt daran, wie Beth einmal erzählt hat, dass sie sich an eine von Henrys Filmpremieren in Berlin erinnert? Was wirklich geschah, kann man nun hier lesen. Viel Spaß!

 

Es war einmal in Berlin …

Es regnete. Das tat es schon seit Tagen, doch Beth hatte es resignierend akzeptiert und nahm die schnellstmöglichen Wege durch Berlin, um zur U- oder S-Bahn zur gelangen oder zum nächsten Bus. Ein Schirm war fester Bestandteil ihres Rausgehoutfits geworden und fast so lebenswichtig wie ihre warme Jacke.

Doch heute war es nicht nur nass, sondern auch noch kalt und windig, sodass der Schirm nicht zu gebrauchen war.  Wenn das so weiterging, würde es bald frieren und der Regen zu Schnee werden. Damit wäre ein Verkehrschaos vorherprogrammiert und damit die Busse kaum nutzbar, die S-Bahn würde nicht fahren, weil die eh mit jeder kleinen Wetterkapriole Probleme hatte, und Beth wäre damit auf die U-Bahn angewiesen, wo es eng und stickig sein würde.

Doch jetzt genoss sie erst einmal den beinah leeren gelben Doppeldeckerbus, den sie gerade noch so erwischt hatte. Sie hatte sich nach oben gesetzt und genoss die Aussicht.

Plötzlich hielt der Bus, Beth schaute automatisch nach vorne. Ein Stau hatte sich gebildet, was an sich in Berlin nicht ungewöhnlich war, aber normalerweise ging es dann langsam weiter.

Nicht heute, sie standen und standen. Beth befand sich zwischen der Friedrichsstraße und dem Potsdamer Platz, ihr Ziel war die Staatsbibliothek beim Potsdamer Platz, wo sie noch ein paar Bücher für die Uni ausleihen wollte.

„Meine Damen und Herren, aufgrund einer Sperrung am Potsdamer Platz können wir momentan unsere Fahrt nicht fortsetzen. Wer aussteigen möchte, kann das gerne tun.“

Was für ein höflicher Busfahrer, dachte sie. Anscheinend war sein Tag bisher nicht so schlimm gewesen. Beth seufzte und dachte nach. Der Regen war grausig, aber andererseits würde sie so nie weiterkommen und sie wollte unbedingt noch in die Bibliothek, bevor Nico nachher bei ihr vorbeikommen würde. Nico war ihr aktueller Freund, den sie schon seit ein paar Tagen nicht gesehen hatte, weil er anderes vorgehabt hatte. Beth war deswegen ein bisschen beleidigt und nahm sich fest vor, dieses Thema heute Abend einmal anzusprechen, aber dazu musste sie erst einmal weg.

Seufzend beschloss sie, den Bus zu verlassen und den Rest zu Fuß zu gehen. Sie ging schnell und versuchte es mit dem Schirm, doch den steckte sie gleich wieder ein, bevor er kaputt ging. Der Wind war noch schlimmer geworden.

Sie brauchte ungefähr zehn Minuten zum Potsdamer Platz, dann sah sie auch schon die Sperrung. Offensichtlich fand dort eine große Filmpremiere statt. Warum sie die Straße deswegen sperrten, wusste sie nicht. Eigentlich war das nicht üblich.

Etwas neugierig ging sie auf der Seite des Sony-Centers entlang und erhaschte so einen Blick auf die Plakate. Sie sah ein Liebespaar auf dem Cover, dahinter einen Sonnenuntergang, es schien also irgendeine kitschige Collegeromanze zu sein.

Plötzlich begann es doller zu regnen und sie fluchte innerlich, weil sie ein Stück ungeschützten Fußwegs vor sich hatte und dazu noch auf die andere Straßenseite musste. Sie wollte gerade die Zufahrt zum Sony-Center, wo offensichtlich der Einlass zur Premiere war, überqueren, als sie irgendein Sicherheitstyp aufhielt. „Sie müssen einen Augenblick warten!“

„Wieso?“, schnauzte Beth ihn an, doch die Frage erübrigte sich. Ein großer schwarzer Wagen bog direkt vor ihr ab und fuhr jetzt so langsam, dass sie tatsächlich einige Zeit warten musste, bevor sie weitergehen durfte. Inzwischen war sie bis auf die Haut nass und wünschte den offensichtlichen „Stars“ im Wagen die Pest an den Hals. Keine von ihnen würde nass werden und sie fing sich hier gerade unter Garantie eine Erkältung ein.

Als sie endlich weiterging, warf sie einen kurzen Blick nach rechts. Sie konnte noch erahnen, wie ein dunkelblonder großer Typ aus dem Auto ausstieg und sich der Lärm und das Gekreische ins Überdimensionale steigerte. Es war so laut, dass Beth sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Sie starrte noch mal zu einem Plakat. Dem Geschreie nach zur urteilen, musste es sich bei dem Blondschopf Henry Courtenay handeln, der Hauptdarsteller des Films. Sein Gesicht starrte auf dem Plakat zu einer wunderhübschen Schwarzhaarigen herunter, die Beth nicht kannte.

Sie verdrehte die Augen, wegen so eines Typen also erkältet sie sich nun. Der war wahrscheinlich in seinem Leben noch nie unfreiwillig so nass geworden und hatte immer seine Leute dabei, die ihm und nur ihm den Schirm hielten. Schnell ging sie weiter und erreichte pünktlich die Bibliothek. Plötzlich nieste sie, nicht nur einmal, sondern gleich viermal. Hallo Erkältung …

ENDE